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Universität zu Köln

Philosophische Fakultät

Thomas-Institut

Thomas-Institut / Forschung

Forschung am Thomas-Institut

 

Forschungsschwerpunkte

 

Bedingungen des Wissensdiskurses in der arabischen, hebräischen, byzantinischen und lateinischen mittelalterlichen Kultur

Die Wissensdiskurse des Mittelalters haben ihre gemeinsamen (mehr...)
Voraussetzungen in der je unterschiedlichen Rezeption spätantiker Gelehrsamkeit, die sich auf institutionelle und gesellschaftliche Bedingungen bezieht, aber auch auf die unterschiedlichen religiösen bzw. theologischen Rahmenbedingungen sowie auf die vielgestaltigen Rationalisierungsprozesse in den unterschiedlichsten Wissensfeldern. Stichworte wie „Dionysiusrezeption“, „Aristotelesrezeption“ oder „Averroismus“ verweisen auf ein komplexes Gefüge mittelalterlicher Wissensformationen, das als Ergebnis umfassender Rezeptions- und Transformationsprozesse, von Vermittlungs- und Übersetzungsvorgängen begriffen werden kann. Ihre Erforschung setzt eine enge Verflechtung philologischer, philosophischer und historischer Kompetenz voraus. Neben den Überlieferungszusammenhängen gilt das Hauptaugenmerk vor allem den Selbstverständigungsprozessen (Stichwort „Philosophie und Weisheit“) und den Kanonphänomenen in epistemologischer und institutioneller Hinsicht.

 

Intellect, Mind, and Soul: Concepts, Stratifications and Boundaries – a Critical Evaluation of the Medieval Debates

Diese Thematik stellt derzeit eines der innovativsten Gebiete von (mehr...)
Fragestellungen dar, in dem die mittelalterliche Philosophie nicht nur in rezeptions-, problem- und ideengeschichtlicher Perspektive eine zentrale Stellung einnimmt, die alle philosophischen Sprachtraditionen (systematisch und kulturell) gleichermaßen umfaßt und durchkreuzt. Im Ausgang von den antiken Traditionen entwickeln sich eigenständige Theoreme, die insbesondere in den intellekttheoretischen und epistemologischen Debatten, die vom 13. Jahrhundert bis in die Renaissance und in die frühe Neuzeit reichen, aufeinandertreffen und sich mitunter miteinander zu neuen Modellen verbinden (verwiesen sei etwa auf den „augustinisme avicennisant“, auf die averroistische Intellektlehre sowie auf die Verbindung von aristotelischer und ps.-dionysischer Noetik, etc.). Blickt man auf moderne Diskussionen in dem skizzierten thematischen Umfeld, so wird zudem deutlich, in welchem Maße gerade die mittelalterliche Philosophie in epistemologischer, ontologischer und psychologischer Hinsicht über Modelle und Fragestel­lungen verfügt, die einen signifikanten argumentativen Mehrwert und zugleich eine Fülle interdisziplinärer Bezüge besitzen. Diese Thematik ist bereits Gegenstand einer internationalen Netzwerk­forschung mit Instituten für philosophische Mediävistik (u.a. Leuven, Amsterdam, Pisa, Lecce, Bari, Sofia), an der das Thomas-Institut maßgeblich beteiligt ist.

 

Philosophische Kommentare im Mittelalter

Die Gattung des Kommentars zählt in der philosophischen Literatur (mehr...)
des Mittelalters zu den bedeutendsten Formen der Auseinandersetzung mit dem philosophischen und religiösen Erbe, dessen Aneignung und Weiterentwicklung sie in formaler und methodischer Hinsicht in vielerlei Weise prägt. Neben der beinahe unüberschaubaren Fülle von Kommentaren zur platonischen Tradition und zum Corpus Aristotelicum gehören auch die ebenso reichen Tradi­tionen von Bibel- und Sentenzen­kommentaren in diesen Zusammenhang philosophischer Forschung und Argumentation. In verwandter, wenn auch in je charakteristisch differenzierter Weise spielt die Kommentarform neben der lateinischen Scholastik auch in den ihr zeitgenössischen byzantinischen, arabischen und hebräischen Sprachkreisen eine bedeutende Rolle. Der Kommentar ist – anknüpfend an die Spätantike – eine der Diskursformen, an der sowohl die Kontinuität der philosophischen Tradition wie auch ihre zahlreichen Transformationen in beispielhafter Weise ablesbar werden, und er ist als solcher einer der wichtigsten Zeugen für ein langes Mittelalter und dessen ungebrochenen Einfluß. Dieses Themenfeld wird am Thomas-Institut in zahlreichen Einzelprojekten bearbeitet, wobei seine gesamte historische und kulturelle Erstreck­ung Berücksichtigung findet. Darüber hinaus wird versucht, in Kooperation einen historischen und systematischen Querschnitt philosophischer Kommentarliteratur zu erarbeiten.

 

 

Forschungsprojekte


Zum Verhältnis von Philosophie und Weisheit

 

Philosophie und Weisheit im Mittelalter. Ein Beitrag zur Genese des abendländischen Philosophieverständnisses

Die Frage nach dem Ursprung der Philosophie verbirgt sich hinter (mehr...)
einer begriffsgeschichtlichen Aitiologie, die auf eine grundlegende Diskursstruktur verweist, in der zu allen Zeiten stets wieder neu die Selbstverständigung darüber geschieht, was Philosophie ist. Bei der Rekonstruktion der „Liebesgeschichte“ zwischen Philosophie und Weisheit kommt dem gewöhnlich wenig beachteten Mittelalter eine besondere Bedeutung zu. Insbesondere in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird das aristotelische Modell einer philosophischen Weisheit zum Ausgangspunkt kontroverser Debatten um das Selbstverständnis der Philosophie, die auf neuzeitliche Problemstellungen hinführen. Die in einer Anzahl von „case-studies“ herausgearbeiteten Ergebnisse sollen in einer Gesamtstudie zusammengefaßt und abschließend bewertet werden.
(Andreas Speer)


Rhizomatik, Lebenskunst und Weisheit als Brücken transkultureller Philosophie

Im Rahmen des Dissertationsprojekts sollen die Rhizomatik (mehr...)
und der Nomadismus der französischen Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari als praktische Philosophien für Fragen der Transkulturalität fruchtbar gemacht werden. Fragen zum Philosophie­begriff und dessen Verhältnis zur Weisheit, zu Methodik und Ethik sowie zu möglichen Architekturen und Formen der Philosophie bilden die Kernpunkte des Projekts, das neben der französischen und deutschen Literatur zu Deleuze den Rezeptionen und Resonanzen seines Denkens in Lateinamerika besondere Akzente verdankt. (Christoph Dittrich)


Neue Perspektiven der Historiographie mittelalterlicher Philosophie

Was mittelalterliche Philosophie sei, diese Frage hat nicht erst seit (mehr...)
Gilsons wirkmächtigen Versuchen einer Fixierung zu immer neuen Antworten geführt, die zumeist durch das je­weilige zugrundeliegende Philosophieverständnis und die damit verbundenen Einschluß- und Ausschlußmechanismen bestimmt waren. Nicht zuletzt das Bewußtsein für die Eigendynamik der unterschiedlichen Kulturkreise, in denen das spätantike Erbe der Philo­sophie seinen Weg in die Moderne nimmt, fragt nach einer genaueren Bestimmung ihrer Interaktion und nach neuen Darstellungsweisen abseits der etablierten „Meistererzäh­lungen“. Hierzu sollen auch neue methodische Ansätze in Anwendung kommen. Das Projekt ist zudem Teil des InterLink-Projektes (Bari-Köln-Sofia-Leuven-Paris) „Soggetto e statuto della filosofia nel Medioevo. Nuove prospettive di ricerca nell’edizione critica dei testi e nelle metodologie di indagine storiografica“. (Andreas Speer. Förderung: MIUR)

 


Thomas von Aquin im philosophischen Kontext


Thomas von Aquin, In librum Beati Dionysii De divinis nominibus expositio, Buch IV, Lectiones 1-10

Die Begegnung von lateinischem und byzantinischem Mittelalter (mehr...)
kann exemplarisch im Dionysius-Kommentar des Thomas von Aquin studiert werden. Von besonderem Interesse innerhalb seines Kommentars zu De divinis nominibus sind die ersten zehn „Lectiones“ des Thomas zum vierten Kapitel seiner Vorlage, in denen zentrale Themen des Neuplato­nismus behandelt werden: das Gute, das Licht, die Schönheit und die Liebe. In Arbeit ist eine Übersetzung und Kommentierung auf der Grundlage des kritisch überprüften latei­nischen Textes. (Andreas Speer, Jan A. Aertsen)


Die Thomas-Übersetzungen Edith Steins (De veritate und De ente et essentia)

Die Thomas-Übersetzungen Edith Steins sind nicht nur ein (mehr...)
wichtiges Zeugnis für den Denkweg der ehemaligen Husserl-Assistentin, sondern stehen auch exemplarisch für die Begegnung von Neuscholastik und moderner Philosophie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Hierbei kommt Thomas von Aquin von Anfang an eine Schlüsselrolle zu. Den Anfang bilden die Quaestiones disputatae de veritate, die zugleich einen umfassenden Einblick in die Arbeitsweise und das philosophische Verständnis Edith Steins geben. Dies wird in der nun abgeschlossenen kritischen Neuedition, die demnächst als Band 23 der Edith Stein Gesamtausgabe (ESGA) erscheinen wird, umfassend dokumentiert. Daneben ist die Edition der bis heute unveröffentlichte Übersetzung von De ente et essentia zusammen mit bisher gleichfalls unbekannten anderen „Thomistica“ – Übersetzungen und Exzerpte aus Thomas-Schriften und der maßgeblichen Forschungsliteratur – in Vorbereitung, die als ESGA-Band 24 erscheinen soll. Die kritische Edition wird begleitet durch eine begriffsgeschichtliche Untersuchung zu Schlüsselbegriffen sowie durch Untersuchungen zu wichtigen Leitthemen und den über­lieferten Archiv-Materialien zu den Thomas-Studien Edith Steins und der für ihre Über­setzung benutzten Forschungsliteratur. (Andreas Speer, Francesco Tommasi)


Thomas von Aquin, Quaestio disputata “De libero arbitrio” (De malo VI)

Auf der Basis der kritischen Gesamtausgabe der Editio Leonina (mehr...)
wird derzeit eine deutsche Übersetzung dieses Schlüsseltextes zum Verständnis der thomanischen Lehre vom freien Willensentscheid als Grundlage für das eigentlich menschliche und d.h. selbstverantwort­liche freie Handeln des Menschen angefertigt, die mit einem Kommentar und einer aus­führlichen Einleitung bei Reclam erscheinen soll. (Andreas Speer)


Thomas von Aquins Thesen zum Geist der Tiere

An zahlreichen Stellen des von Thomas von Aquin hinterlassenen Schrifttums werden differenzierte Überlegungen zur (mehr...)
Tierseele (anima brutorum) und zu den mit ihr assoziierten kognitiven, volitiven und emotiven Fähigkeiten der Tiere (animalia bruta) vorgetragen. Dabei sind Tiere für Thomas ein wichtiges Instrument in der Analyse zentraler anthropologischer Fragestellungen: Durch komparative Überlegungen zu Tieren testet oder präzisiert Thomas verschiedene Ansichten über die geistigen Fähigkeiten der Menschen bzw. entwickelt sie systematisch weiter. Tiere haben bei ihm damit eine ähnliche methodische Funktion wie in modernen philosophischen Beiträgen, etwa zur Epistemologie oder Handlungstheorie. Das Dissertationsprojekt unternimmt eine ausführliche historisch-systematische Rekonstruktion der von Thomas formulierten Tierpsychologie; der Untersuchung der methodischen Relevanz des Tiervergleichs wird dabei besondere Beachtung geschenkt. (Tobias Davids)



Meister Eckhart: historische und systematische Perspektiven

Im Zusammenhang mit der Erforschung der mittelalterlichen (mehr...)
Lehre von den transcen­dentia wird die Sondergestalt der Transzendentalienlehre bei Meister Eckhart untersucht. Das Projekt versucht zugleich eine Rekonstruktion des Opus propositionum Eckharts, insbesondere des IX. Traktates: „De natura superioris, et inferioris eius oppositi“. (Jan A. Aertsen)


Der ‚Frankfurter‘ / ‚Theologia deutsch‘. Spielräume und Grenzen des Sagbaren

Das im Juli 2009 abgeschlossene Dissertationsprojekt widmet sich einer doppelten Aufgabe: (mehr...)
Zum einen ergründet es, weshalb Martin Luther ausgerechnet den ‚Frankfurter‘ — einen scheinbar konventionellen mystischen Traktat aus dem späten 14. Jahrhundert — als geeignet ansah, um die Legitimationsbasis für sein innovatives anthropologisches Konzept durch ein mittelalterliches Traditionszeugnis zu erweitern. Dazu wird der Nachweis geführt, daß der ‚Frankfurter‘ innerhalb des mystischen Diskurses eine Position einnimmt, die sich in ihrer Radikalität der von Luther rezipierten augustinisch-antipelagianischen Theologie annähert. Zum anderen erschließt die Arbeit vor dem Hintergrund spätmittelalterlicher mystischer Prosatexte das spezifische philosophisch-theologische Profil des Traktats. Insbesondere anhand der Themenkomplexe Gotteslehre und Christologie kann aufgezeigt werden, daß der ‚Frankfurter‘ kontinuierlich den Grenzbereich zwischen Orthodoxie und Heterodoxie auslotet, wobei er den Bereich des dogmatisch Zulässigen mehrfach überschreitet. Zur Zeit befindet sich das Projekt in einer abschließenden Überarbeitungsphase, um es auf die Publikation vorzubereiten. (Lydia Wegener)


Die mittelalterliche Lehre von den transcendentia

Das Projekt widmet sich der historischen Entwicklung der (mehr...)
Lehre von den transcendentia von ihrer Herausbildung im 13. Jahrhundert (Philipp der Kanzler) bis zu ihrer Behandlung in den Disputationes metaphysicae des Francisco Suárez sowie der systematischen Be­deutung der Transzendentalienlehre für die mittelalterliche Philosophie. (Jan A. Aertsen. Förderung: DFG)


Ibn BÁÊÊas KitÁb al-nafs: Aristotelische Psychologie als Naturwissenschaft und Fundamentalwissenschaft
(Dieser Absatz enthält Schriftzeichen, die mit dem Font 'Times Beyrut Roman dargestellt werden können.)

Ibn BÁÊÊa (gestorben 1139), den Lateinern als Avempace bekannt, (mehr...)
war vor Averroes der erste im arabischen Spanien tätige Philosoph, der sich die Schriften des Aristoteles in systematischer Weise kommentierend erschlossen hat. Damit hat er methodisch und inhaltlich das Wirken des „Kommentators“ vorbereitet und stark beeinflußt. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Seelen- und Intellektlehre, die im Zentrum von Ibn Bāǧǧas Denken steht. In dem nun unmittelbar vor dem Abschluß stehenden Dissertationsprojekt wird Ibn Bāǧǧas Kitāb al-nafs (Buch der Seele) einer neuen Lektüre unterzogen, welche die bisher gängige Trennung zwischen seinen kommentierenden naturphilosophischen und sogenannten „unabhängigen“ intellekttheoretischen Schriften überwindet. Mit Hilfe einer durch das gesamte Werk Ibn Bāǧǧas hindurchgehenden Analyse der zentralen Begriffe der Potenz (quwwa) und der Intention (maʿnā) wird gezeigt, daß Ibn Bāǧǧa die Psychologie konsequent als Naturwissenschaft konzipiert und aus naturphilosophischen Prinzipien heraus entwickelt. Gleichzeitig erweist er sie als Fundamentalwissenschaft, durch welche erst aufgedeckt wird, daß und wie diese Prinzipien auf den Intellekt als auf ein 18
übergeordnetes Prinzip bezogen sind. Zugleich, in dem er sie vollendet, begründet der Intellekt die natürlichen Prinzipien überhaupt erst. Diese systematische Studie beruht auf einer vorläufig fertiggestellten kritischen Edition und deutschen Übersetzung des Kitāb al-nafs, die aus technischen Gründen vom Projekt gesondert wurde. (David Wirmer)


Drachen und Sirenen: Die Abwicklung der Mythologie an den barocken Universitäten

Über die antike Naturgeschichte und Physiologie, vor allem die Werke des Plinius und des Aelian, (mehr...)
erreicht die Frühe Neuzeit eine Fülle von hybriden Kreaturen, die ebenso fester Bestandteil der Naturkunde waren wie der Mythographie, unter ihnen Drachen, Zentauren, Giganten, Sirenen oder Satyrn. Während die mittelalterliche Theologie seit Augustinus die Mehrzahl dieser Wesen als einen Bestandteil der Dämonologie behandelte, beginnen Gelehrte des 16. Jahrhunderts, Sirenen oder Satyrn zu rationalisieren und für sie neue Erklärungsansätze zu entwickeln. Eine Naturalisierung der Mischwesen der Mythologie setzt mit Männern wie Scaliger, Gesner, Cardano oder Aldrovandi ein und läßt sich in ihren Ausläufern an den Universitäten in Hunderten von Disputationen bis weit in das 18. Jahrhundert verfolgen. Die Studie untersucht diesen Prozeß als Teil des wissenschaftlichen Paradigmenwechsels der Neuzeit anhand von fünf Beispielen. (Bernd Roling)


Die Debatte um das Hebräische in der frühen Neuzeit

Das Erlernen des Hebräischen war in der frühen Neuzeit kein unumstrittenes Unterfangen. (mehr...)

Deswegen überrascht es nicht, daß sich die Gattung der lateinischen Lob- bzw. Verteidigungsschrift des Hebräischen im Zeitraum der frühen 1520er Jahre bis ins 18. Jahrhundert nachweisen läßt. Sie weist einen Satz an typischen Argumenten auf, die zur Verteidigung des Erlernens der hebräischen Sprache eloquent, mitunter reißerisch gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegner aufgeboten wurden. Abgesehen von der immer wieder toposhaft aufgerufenen dignitas, necessitas oder suavitas wurde typischerweise auf das Alter des Hebräischen abgehoben. Hierin spiegelte sich die zeitgenössische sprachwissenschaftliche Theorie über den Sprachursprung wider. Die hebräische Lobschrift stellt als Stück frühneuzeitlicher Gelehrtenliteratur weniger durch die Originalität ihrer Argumente als vielmehr durch ihre Rückgriffe auf die gelehrten Diskurse der Zeit und ihre polemischen Strategien eine aufschlußreiche Quelle für die Debattenkultur des 16. und 17. Jahrhunderts dar. (Klara Vanek)

 

Editionsprojekte

„Diz sprichet ein hôher meister“ kritische Edition und Kommentierung von drei pseudo-eckhartischen Traktaten aus dem Kontext der Deutschen Mystik (Von der übervart der gotheit; Von dem anefluzze des vater; Von dem zorne der sêle

Ziel des Projektes ist es, drei mittelhochdeutsche Traktate aus dem 14. Jahrhundert (mehr...)

sowohl in digitaler Form als auch in Gestalt einer begleitenden Buchausgabe kritisch zu edieren, zu übersetzen und zu kommentieren. Besondere Berücksichtigung findet dabei die Varianz der Überlieferung, insofern diese Aufschluss über die Bemühungen der Redaktoren gibt, schwierige theologische und philosophische Sachverhalte in der Volkssprache darzustellen.
(Lydia Wegener; studentische Mitarbeiterin: Melissa Davids. Förderung: DFG)

Ausgabe des Sentenzenkommentars des Durandus von St. Pourçain (a S. Porciano)

Wie J. Koch gezeigt hat, ist der Sentenzenkommentar von (mehr...)
Durandus von St. Pourçain (1275-1334) in drei Fassungen erhalten. Während die letzte Redaktion im 16. Jahrhundert gedruckt worden ist, sind die ersten zwei Versionen bisher unveröffentlicht. Besonders interessant ist die erste Fassung, weil sie einerseits die schärfste Polemik gegen Thomas von Aquin enthält und andererseits sehr kritische Reaktionen von Zeitgenossen (wie z.B. Petrus de Palude und Petrus Aureoli) ausgelöst hat. Im Rahmen des Projektes wird zuerst eine elektronische Kopie der dritten Fassung erstellt, die als ein effizientes Recherche­instrument benutzt werden kann. Im Mittelpunkt des Projektes steht aber die kritische Edition der ersten Fassung, die auf der Grundlage einer vollständigen Kollation der Hand­schriften erfolgt. Inzwischen ist das erste Buch der dritten Redaktion korrigiert und mit einem Quellenapparat versehen worden; der Text ist zusammen mit einer Durandus-Bibliographie online verfügbar (www.thomasinstitut.uni-koeln.de/forschung/durandus).
(Guy Guldentops, Thomas Jeschke, Fiorella Retucci. Förderung: DFG)

 

Kritische Edition der Kommentare zu den Büchern V und VI der Nikomachischen Ethik in der lateinischen Übersetzung von Robert Grosseteste

Das Projekt besteht in einer Untersuchung der lateinischen (mehr...)
Rezeption der Kommentare zur Nikomachischen Ethik des Aristoteles, verfaßt und zusammengetragen im Konstan­tinopel des 12. Jahrhunderts auf Anregung der Prinzessin Anna Comnena. Die kritische Edition der Kommentare zu Buch V (von einem Anonymus und Michael von Ephesus) und Buch VI (Eustratius von Nicaea) soll Merckens Edition der Kommentare zu den Büchern I–IV (CLCAG 6.1) und zu den Büchern VII–X (CLCAG 6.3) ergänzen. Die Textedition wird durch eine quellenkritische Studie zum griechischen Originaltext und seiner lateinischen Rezeption im 13. und 14. Jahrhundert eingeleitet. Im Berichtszeitraum wurde die Handschriftentradition des gesamten Corpus studiert und die Beziehungen der einzelnen Handschriften bestimmt, wobei die Ergebnisse des früheren Herausgebers überprüft wurden. Eine besondere Handschriftengruppe, die in Paris in peciae kopiert wurde, ist gesondert untersucht worden. Ein Vergleich des lateinischen Textes mit den zwei wichtigsten griechischen Handschriften hat ergeben, daß sich kein deutlicher Zusammenhang zwischen den beiden Handschriftentraditionen feststellen läßt. Schließlich konnte in einer vorbereitenden Studie der Rezeption von Eustratius’ Kommentar zu Buch VI ein erstes wichtiges Resultat erzielt werden: Eustratius ist eine der Hauptquellen für die umstrittene Frage der ‚intellektuellen Glückseligkeit’ im Mittelalter, wobei der Interpretation des Eustratius durch Albertus Magnus eine entscheidende Rolle zukommt. (Michele Trizio. Förderung: Fritz Thyssen Stiftung)

 

Wilhelm von Auxerre, Summa de officiis ecclesiasticis, kritisch-digitale Erstausgabe

In den Anfängen der Pariser Universität um das Jahr 1200 entsteht (mehr...)

die Liturgieerklärung des Magisters Wilhelm von Auxerre, mit der er den Versuch unternimmt, alle kultisch-rituellen Vollzüge und Gegenstände der christlichen Liturgie zu erläutern und deren verborgenen Sinn umfassend zu deuten. Die Edition der bisher ungedruckten Summa de officiis ecclesiasticis macht sich die Möglichkeiten der digitalen Datenverarbeitung zunutze und entwickelt die für kritische Bucheditionen herausgebildeten methodischen Standards und Präsentationsformen im Medium des Digitalen weiter. Der Edition schließt sich eine Studie über die Zeitkonzeption an, die Wilhelms Liturgieverständnis zu Grunde liegt und der gemäß es im Verlauf des rituellen Vollzugs zu einer vielschichtigen Ver­schränkung von Zeit- und Bedeutungsebenen kommt. (Franz Fischer)


Ein Handbuch mittelalterlicher Kunst? ‑ Relecture der »Schedula diversarum artium« und Erschließung ihrer handschriftlichen Überlieferung in Form einer kritisch-digitalen Edition.

Unter dem Pseudonym Theophilus Presbyter ist eine für die (mehr...)
Erforschung und das Verständnis der hochmittelalterlichen Künste zentrale Schrift überliefert: die »Schedula diversarum artium«. Sie umfaßt äußerst detailreiche Anweisungen über Fertigungsweisen nahezu aller mittelalterlicher Kunstgegenstände – von der Buch- und Wandmalerei über die Glas- und Goldschiedekunst bis hin zu Glockenguß und Orgelbau. Die bis heute bestehende Lehrmeinung, in der »Schedula« einen Schlüsseltext des romanischen Kunstschaffens zu besitzen, reflektiert aber eher die kulturelle Praxis der neuzeitlichen Rezipienten reflektiert, als daß sie kunstgeschichtlichen Entwicklungsprozesse im 12. Jahrhundert erklärt. Damit rückt der Text der »Schedula« und dessen komplexer Überlieferungszusammenhang erneut in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses.
Die angestrebte kontextuelle Relecture der »Schedula« erfordert allerdings neue methodische Zugänge. Der entscheidende Schlüssel für ein neues, umfassendes Textverständnis der »Schedula« liegt in der Materialität ihrer handschriftlichen Überlieferung. Diese soll in einem ersten Arbeitsschritt umfassend und detailliert gesichert und verläßlich dokumentiert werden. Hier setzt das vorliegende Forschungsprojekt an, das in Gestalt einer kritisch-digitalen Edition eine vollständige Erschließung, Dokumentation und Kontextualisierung der Überlieferung in ihrer ganzen Vielfalt anstrebt. (Andreas Speer, Franz Fischer. Förderung: Fritz Thyssen Stiftung)
[Ausführliche Projektbeschreibung]

 


In Zusammenarbeit mit der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften


Historisch-kritische Edition der arabisch-lateinischen Übersetzungen einiger Aristoteles-Kommentare des Averroes (= Ibn Rušd)

Im Rahmen des internationalen Langzeitprojekts (mehr...)
der Herausgabe der Opera omnia des Averroes in den drei Sprachtraditionen — Arabisch, Hebräisch und Latein —, 23
koordiniert von der Union Académique Internationale unter der Leitung von Gerhard Endreß (Bochum), dient das Thomas-Institut seit 1978 als Arbeitsstelle für die kritische Edition der lateinisch überlieferten Werke des Averroes: den Averroes Latinus. Zur Zeit sind zwei Editionen in Arbeit, eine weitere ist im Druck. Daneben werden weitere Averroes betreffende Projekte vorangetrieben. (Direktor des Averroes Latinus: Andreas Speer)


Mittlerer Kommentar zu den Categoriae

Dieser Kommentar zu den Categoriae ist ein Teil des Mittleren Kommentars des Averroes über die Logica uetus (mehr...)
, deren arabisch-lateinische Übersetzung Wilhelmus de Luna zugeschrieben wird. Mit Hilfe von Prof. Amos Bertolacci (Pisa) wurden die letzten Arbeiten an einem angekündigten Buch mit der Edition dieses Kategorien-Kommentars durchgeführt (= Praefatio, Apparat der lateinischen Handschriftenvarianten und vergleichender arabo-lateinischer Apparat, Erklärungsnoten und Glossare). Das druckfertige Manuskript wurde fertiggestellt. (Roland Hissette)


Mittlerer Kommentar zur Isagoge

Mit der Kollation der vier erhaltenen Handschriften und der Editio princeps (1483) (mehr...)
wurden die Editionsarbeiten an der mittelalterlichen arabisch-lateinischen Übersetzung des Mittleren Kommentars des Averroes zur Isagoge des Porphyrios begonnen. Dieser Kommentar ist ebenfalls ein Teil des oben erwähnten Mittleren Kommentars des Averroes über die Logica uetus; auch seine Übersetzung wird Wilhelmus de Luna zugeschrieben. Zudem ist eine dieser in etwa zeitgenössische arabisch-hebräische Übersetzung erhalten, die Jacob Anatoli zugeschrieben wird. Da die arabische Vorlage dieser beiden Übersetzungen verloren ist, wurde ein Vergleich der beiden mittelalterlichen Übersetzungen unternommen. Ein Artikel, der die Ergebnisse dieser Forschung teilweise darstellt, wurde fertig gestellt. (Roland Hissette)

 

Großer Kommentar zur Physica

Die Arbeiten an der Edition des achten Buches des Physikkommentars konnten planmäßig fortgesetzt werden; (mehr...)
im Berichtszeitraum sind 290 Seiten des Editionstextes fertiggestellt worden. Die bislang erarbeitete Praefatio bezieht sich auf alle Handschriften und die Gesamtsituation des Werkes, so daß die weitere Arbeit nach diesen Entscheidungen eingerichtet werden kann. Sie umfaßt folgende Gegenstände: Übersicht der Manuskripte; Titel und Aufteilung des Physikkommentars; Aufnahme der Prologe in die Edition; Prolog zum achten Buch; die große Lücke im achten Buch; zusätzliche unechte Zeilen im Kapitel 77 des achten Buches; zusätzliche Einleitungen; Korrekturen und Bearbeitung mittelalterlicher Philologen; die Aristotelestexte; Auswahl der Leithandschriften. (Horst Schmieja)


Arabische Metaphysikentwürfe unter besonderer Berücksichtigung von Abū l-Walīd Ibn Rushds (Averroes’) Epitome der Aristotelischen Metaphysik

Das Forschungsvorhaben umfaßt zwei Teilbereiche: Erstens (mehr...)
eine historisch-kri­tische Edition des arabischen Textes von Averroes’ Epitome der Metaphysik unter Berück­sichtigung aller zugänglichen arabischen Handschriften sowie der hebräischen Über­setz­un­gen aus dem 13. Jahrhundert und der darauf basierenden lateinischen Über­setzung aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Edition soll durch eine philologische Praefatio eingeleitet werden und in einer englischen Über­setzung der philoso­phischen Mediävistik zugänglich gemacht werden. Den zweiten Bereich bildet eine philosophiegeschichtliche Darstellung arabischer Entwürfe zur Grundlegung und zu den Gegenständen, Forschungsbereichen und Methoden der Metaphysik. Dabei soll insbesondere die Frage Beachtung finden, ob und in welcher Weise in der post-Avicennischen Tradition eine Meta­physik als Ontologie und/oder Univer­salwissenschaft in Abgrenzung zur Theologie entworfen und praktiziert wurde. Dieser zweite Teil des Forschungsvorhabens soll im Jahr 2008 mit der Publikation einer Monographie abgeschlossen werden. (Rüdiger Arnzen. Förderung: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung)


Die Platonische Ideenlehre in der arabischen Philosophie des Mittelalters

Eine Untersuchung zur Rezeption der Platonischen Ideenlehre, angefangen von (mehr...)
den griechisch-arabischen Übersetzungen des 9. Jahrhunderts über die Kritik der Ideenlehre bei al-Farabi und Avicenna bis hin zur Transformation der Konzepte von Platonischen Formen (suwar aflatuniyya) und Platonischen Urbildern (muthul aflatuniyya) in der Philosophie Suhrawardis und deren Rezeption. (Rüdiger Arnzen. Förderung: DFG)


Averroes-Database

In die Bibliographie der seit 1980 zu Averroes erschienenen (mehr...)
Forschungsliteratur sind knapp 40 neue Titel aufgenommen worden, sie umfaßt nun 1043 Monographien und Artikel. Das Werkverzeichnis ist um Averroes’ Schriften zur Metaphysik ergänzt worden. Gegenwärtig findet eine Erweiterung der Bibliographie um neuere Titel zu Averroes in arabischer Sprache statt. Gleichzeitig arbeiten wir an einem technischen Umbau, der es künftig erlauben soll, in der Database wie in einem Bibliothekskatalog nach Personen und Stichwörtern zu suchen. Die Database ist einsehbar unter www.thomasinstitut.uni-koeln.de/averroes oder über die Startseite der Homepage des Thomas-Instituts. (David Wirmer, Jochen Baumbach, Philipp Steinkrüger)


In Zusammenarbeit mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

 

Historisch-kritische Edition der Opera omnia des Nikolaus von Kues, hrsg. von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Cusuanus-Forschungsstelle Köln am Thomas-Institut

De usu communionis; Epistolae ad Bohemos; Intentio (Bd. XV, Fasz. 1), edd. Stefan Nottelmann, Hans Gerhard Senger, im Druck

Historisch-kritische Edition der Meteorologica des Aristoteles in der lateinischen Übersetzung des Wilhelm von Moerbeke.

Aristoteles, Meterologica. Translatio Guillelmi de Morbeka, Praefatio – Editio textus, ed. Gudrun Vuillemin-Diem (Aristoteles Latinus X, 2.1-2), Turnhout 2009.

Historisch-kritische Edition der Bücher I und II des Physikkommentars des Aegidius Romanus

Der Augustiner Aegidius Romanus (ca. 1243/7-1316) ist eine (mehr...)
prominente Figur des ausgehenden 13. Jahrhunderts an der Universität Paris. Sein philosophisches Schrifttum be­steht hauptsächlich aus Kommentaren zu den Schriften des Aristoteles. Im ausgehenden 13. Jahrhundert und im 14. Jahrhundert waren die Kommentare des Aegidius sehr be­kannt; ihre Resonanz ist mit der der Paraphrasen des Albertus Magnus und der Kommen­tare des Thomas von Aquin durchaus vergleichbar. Im Mittelpunkt des vorliegenden Pro­jektes steht die Herausgabe der Bücher I und II des Physikkommentars (ca. 1274/75). Sie sind einigen zentralen Themen der aristotelischen Naturphilosophie, nämlich dem Prob­lem der Prinzipien der Veränderung, dem Naturbegriff, den Begriffen der Notwendigkeit und des Zufalls gewidmet. Der Physikkommentar des Aegidius ist in 30 vollständigen Hss. überliefert. Diese handschriftliche Überlieferung zeigt eine komplexe Struktur, die eine universitäre – d. h. eine aus einem sogenannten universitären exemplar stammende – Tradition sowie auch eine von der universitären unabhängige Tradition umfaßt. Zu Buch I und II ist der Text auf der Basis von 8 Hss. konstituiert, und die Quellen sind nachgewie­sen worden. Zur Zeit wird an der historisch-philologischen Einleitung gearbeitet. Die Edition wird im Rahmen der Aegidii Romani Opera omnia, hrsg. von der Unione Acca­demica Nazionale (Leitung: Francesco Del Punta u. a.), vorbereitet. (Buch I: Silvia Donati; Buch II: Thomas Dewender)

Die aristotelische Physik (Bücher I-II) an der Artistenfakultät in Oxford ca. 1250-1270

Im Lauf des 13. Jahrhunderts wird die Physik des Aristoteles (mehr...)
zu einem zentralen Lehrbuch des philosophischen Curriculums an der Artistenfakultät. Vielleicht als Folge der wiederholten Lehrverbote an der Universität Paris (1210, 1215, 1231) ist für den Zeitraum 1250-1270 die Anzahl der erhaltenen Kommentare aus der Pariser Artistenfakultät bei weitem geringer als diejenige der Kommentare, die aus den englischen Artistenfakultäten (vor allem aus Oxford) stammen. Aus dieser Zeit sind nicht weniger als zehn - in den meisten Fällen anonyme - Quästionen-Kommentare erhalten, die mit Sicherheit oder mit großer Wahrscheinlichkeit an der Oxforder Aristenfakultät verfasst wurden. Wie sich in der Forschung der letzten fünfzehn Jahre gezeigt hat, liefert dieses corpus von - mit wenigen Ausnahmen - noch unedierten Texten ein wichtiges Zeugnis über den Oxforder Aristotelismus um die Mitte des 13. Jahrhunders. Die Teile der Kommentare, die Bücher III und IV der Physik betreffen, sind inzwischen durch Repertorien der Quästionen zugänglich geworden (C. Trifogli, Firenze 2003, 2007). Das vorliegende Projekt beabsichtigt, die Quästionen zu Phys. I und II durch kritische Editionen zugänglich zu machen. Als erste ist die Edition der Quästionen zu Phys. I-II des anonymen Kommentars Quaestiones super Physicam, I-IV, Ms. Cambridge, Gonville and Caius College, 367 (589), ff. 120ra-125vb, 136ra-151vb (Bücher I-II = ff. 120ra-125vb, 136ra-139rb), geplant. (Silvia Donati)