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Thomas von York

Der Franziskaner Thomas von York (ca. 1220-1260) war ein prominenter Theologe und Philosoph, tätig an der Universität Oxford von 1253 bis 1255/56. Danach lehrte er als 6. Lehrer an der Universität Cambridge. Sein Hauptwerk, das Sapientiale, wurde von M. Grabmann als „das größte Beispiel einer selbständigen Metaphysik aus der Aera der Hochscholastik“ beschrieben. Als Schüler von Robert Grosseteste konnte Thomas von York klassische Texte lesen, die anderen Intellektuellen in Kontinentaleuropa kaum zugänglich waren, da keine lateinischen Übersetzungen dieser Texte verbreitet waren. Für die Wiederentdeckung des klassischen Altertums im englischen Mittelalter kommt dem Sapientiale daher eine zentrale Bedeutung zu.

Aktuelles Forschungsprojekt:

Kritische Edition des Sapientiale

Das Sapientiale des englischen Franziskaners Thomas von York ist eine einzigartige philosophische Summe des 13. Jahrhunderts in sieben Büchern. Das Sapientiale ist eines der frühesten Zeugnisse für die Rezeption der Nikomachischen Ethik in der Übersetzung des Robert Grosseteste und ferner ein Beispiel für die ausgeprägte klassische Bildung englischer Gelehrter im 13. Jahrhundert. Dank der Unterstützung der Professoren Kent Emery, Jr. (Notre Dame), Joseph Goering (Toronto) und James Hankins (Harvard) konnten alle editorischen Materialien aus Toronto im Thomas-Institut versammelt werden und bilden dort zusammen mit weiteren Materialien das Archivum fratris Thomae Eboracensis. Eine kritische Edition des Sapientiale ist derzeit in Arbeit.

Das komplette erste Buch (hrsg. von Fiorella Retucci) und Buch III, Kap. 1-20 (hrsg. von Antonio Punzi) sind im Druck. Die Teilbände II/1 (Buch II, Kap. 1-18) und II/2 (Buch II, Kap. 19-34) sind in Vorbereitung.

Projektleiterin: Fiorella Retucci. Wissenschaftliche Mitarbeiter: Sabina Tuzzo, Marco Maniglio, Antonio Punzi, Diana Di Segni, Maxime Mauriège, Coralba Colomba. Förderung: MIUR.