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Durandus de S. Porciano

Unter den Sentenzenkommentaren zu Beginn des 14. Jahrhunderts nimmt derjenige des Dominikanertheologen Durandus von St. Pourçain hinsichtlich der Originalität und der Bedeutung dieses Kommentars für die philosophische Mittelalterforschung eine herausragende Stellung ein. Denn der Sentenzenkommentar des Durandus, der in drei Fassungen vorliegt, gibt auf besondere Weise Einblick in die philosophischen und theologischen Debatten an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert im Spannungsfeld von Universität, Ordensstudien und päpstlichem Hof. Zugleich erweist sich der Sentenzenkommentar des Durandus als ein erstrangiges Dokument für die Beurteilung der Auseinandersetzungen innerhalb des Dominikanerordens im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts, insbesondere mit Bezug auf die Lehre des Thomas von Aquin. Er wurde zum Ausgangspunkt für eine der mächtigsten intellektuellen Kontroversen des späten Mittelalters. Mit der Edition des Sentenzenkommentars verfolgt das Thomas-Institut auch die genauere Erforschung der Debatten um die Lehre des Thomas von Aquin.

http://durandus.phil-fak.uni-koeln.de/

Aktuelles Forschungsprojekt:

Ausgabe des Sentenzenkommentars des Durandus von St. Pourçain (a Sancto Porciano)

Wie J. Koch gezeigt hat, ist der Sentenzenkommentar des Durandus von St. Pourçain (1275-1334) in drei Fassungen erhalten. Während die letzte Redaktion im 16. Jahrhundert mehrfach gedruckt worden ist, sind die ersten zwei Versionen bisher unveröffentlicht geblieben. Die erste Fassung (Red. A) ist systematisch und historisch interessant, weil sie einerseits die schärfste Polemik gegen Thomas von Aquin enthält und andererseits sehr kritische Reaktionen von Zeitgenossen (wie z.B. Petrus de Palude und Petrus Aureoli) ausgelöst hat. Aber auch die zweite Fassung (Red. B) ist in diesem Kontext von Belang, da es sich wohl um den umgearbeiteten Entwurf der ersten Fassung handelt, der in Paris 1308 Grundlage von Durandus’ Vorlesung gewesen sein dürfte.

Die bisher vorgenommenen Untersuchungen zum handschriftlichen Material tragen endlich dazu bei, Kochs Ergebnisse aus den 1920er Jahren zu korrigieren und auf ein festes Fundament zu stellen. (1) In den Büchern, bei denen wir grob zwei Fassungen in den Handschriften feststellen können, ist die Klarheit der Unterscheidung dieser Fassungen, wie sie Koch vorschwebte, nur bedingt nachweisbar. Tatsächlich muss man wohl von mehreren Entwicklungsstufen des durandischen Textes ausgehen. (2) Neuere Untersuchungen zu Buch I des Kommentars legen nahe, dass es sich bei der Version, die in den Handschriften auf uns gekommen ist, nicht um die erste Fassung handelt, wie Koch meinte, sondern um die zweite. Die erste Fassung wäre damit handschriftlich nicht mehr direkt nachweisbar. Das komplette erste Buch, die Distinktionen 1-5 sowie 22-38 des zweiten Buches und die Distinktionen 43-50 des vierten Buches der dritten Redaktion sind bereits korrigiert und mit einem Quellenapparat versehen worden; der Text ist zusammen mit einer Durandus-Bibliographie online verfügbar (http://durandus.phil-fak.uni-koeln.de/12683.html). Im Berichtszeitraum ist der Teilband I/2 (Buch I, dd. 4-17) der ersten beiden Redaktionen in kritischer Edition erschienen; die Teilbände, II/1 (Buch II, dd. 1-5), II/3 (Buch II, dd. 22-38), II/4 (Buch II, dd. 39-44), IV/1,1 (Buch IV, dd. 1-7) und IV/4 (Buch IV, dd. 43-50) sind bereits herausgegeben; der Teilband I/1 (Buch I, Prol. + dd. 1-3) ist im Druck; die Bände I/3 (Buch I, dd. 18-35), I/4 (Buch I, dd. 36-48), II/2 (Buch II, dd. 6-21), IV/1,2 (Buch IV, dd. 8-13), IV/2 (Buch IV, dd. 14-25) und IV/3 (Buch IV, dd. 26-42) befinden sich in Vorbereitung.

Projektleiter: Andreas Speer. Wissenschaftliche Mitarbeiter: Pavel Blažek, Christoph Burdich, Sara Ciancioso, Guy Guldentops, Thomas Jeschke, Thomas Meyer, Massimo Perrone, Antonio Punzi, Fiorella Retucci, Federica Ventola. Ehemalige Mitarbeiter: Daniel Erlemeier, Gianfranco Pellegrino. Förderung: DFG