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Meister Eckhart

Die Erforschung Meister Eckharts im Kontext der Debatten seiner Zeit und im Zusammenhang der Wirkungsgeschichte ist Arbeitsschwerpunkt des Meister-Eckhart-Archivs am Thomas-Institut. Hierzu gehört auch die Rekonstruktion zentraler Theoreme wie die spezifische Lehre vom „abditum mentis“, von der Selbsterkenntnis oder die Sondergestalt der Transzendentalienlehre bei Meister Eckhart. Neben der Rekonstruktion der zeitgenössischen Debatten und Kontexte – vor allem in Paris und in der Deutschen Dominikanerschule – gilt das Interesse ferner der besonders facettenreichen Wirkungsgeschichte von zeitnahen pseudoeckhartischen Traktaten bis hin zur Theologia deutsch an der Schwelle der Reformation.

Aktuelle Forschungsprojekte:

 

 

Erschließung des Meister-Eckhart-Archivs: Rekonstruktionsversuch des historisch-ideologischen Hintergrunds zur Entstehung und zum Fortgang der deutschen Eckhart-Gesamtausgabe im Zeitraum 1932–1945

Zur Erschließung des Meister-Eckhart-Archivs gehört die Auswertung der Archivmaterialien im Hinblick auf ihren zeitgeschichtlichen Kontext. Ein großer Teil unseres Bestandes enthält Dokumente, die einen ausführlichen chronologischen Überblick über die Entstehung sowie den Fortgang des bisherigen Unternehmens einer kritischen Ausgabe der lateinischen und deutschen Werke Eckharts ermöglichen, welches an der Schwelle und während des zweiten Weltkriegs den Grundstein für die moderne Eckhart-Forschung gelegt hat. Der Forschungsansatz dieses Projekts verfolgt daher das Ziel, durch eine Untersuchung des Zeitraums von 1932 bis 1945 die Auswirkungen eben dieses historisch-ideologischen Hintergrunds auf das wissenschaftliche Vorhaben einer deutschen Eckhart-Gesamtausgabe zu rekonstruieren. Grundlage für diesen Rekonstruktionsversuch sind die reichhaltigen Unterlagen der eigens für diese Edition gebildeten „Eckhart-Kommission“. (Maxime Mauriège)

Der Sentenzenkommentar im Codex 491 der Stadtbibliothek Brügge

Dieses Projekt steht in Verbindung mit der Erschließung des Meister-Eckhart-Archivs, das die Forschungen von Joseph Koch bezüglich der im Codex 491 der Stadtbibliothek Brügge überlieferten reportatio eines Meister Eckhart zugeschriebenen Sentenzenkommentars enthält sowie den Briefwechsel zwischen Koch, Meersseman und Decker über dessen Authentizität. Ziel des Projekts ist die kritische Edition dieses reportatum, vor allem unter Berücksichtigung seiner erwiesenen Nähe zur Lectura Thomasina des Guillelmus Petri de Godino (1260-1336). Im Zuge dieser Edition soll anhand chronologischer sowie paläographischer, stilistischer und inhaltlicher Kriterien das Verhältnis beider Sentenzenkommentare zueinander durch genaue Textvergleiche geklärt und alle Parallelstellen quellenkritisch ediert werden, um so einige Lücken des in einem einzigen Exemplar erhaltenen ‚Brügger Kommentars‘ zu schließen. Zudem muss die Einbettung dieses reportatum in den Kontext des gesamten Brügger Codex untersucht werden, dessen spezifische Komposition — als das Handbuch eines „up-to-date-Thomisten“ — Einblicke in die zentralen Fragestellungen und Streitfragen gibt, mit denen sich der ‚Brügger Kommentar‘ in zeitgenössischen Debatten positioniert. Die kritische Edition dieses Textes macht der Forschung ein neues wichtiges Zeugnis zur Kontroverse zwischen Thomisten und Antithomisten zugänglich. (Maxime Mauriège)