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Ibn Bāǧǧa

Ibn Bāǧǧa (gest. 1139), den Lateinern als Avempace bekannt, war vor Averroes der erste im arabischen Spanien tätige Philosoph, der die Schriften des Aristoteles in systematischer Weise kommentierend erschlossen hat. Damit hat er methodisch und inhaltlich das Wirken des „Kommentators“ vorbereitet und stark beeinflusst. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Seelen- und Intellektlehre, die im Zentrum von Ibn Bāǧǧas Denken steht.

Aktuelle Forschungsprojekte:

Historisch-kritische Edition von Ibn Bāǧǧas Kommentar zur aristotelischen Physik

Ibn Bāǧǧas Kommentierung der Physik gehört derselben Textgattung an wie Averroes’ Kompendien (Epitomai) und hat auf die entsprechende Schrift des letzteren einen prägenden Einfluss ausgeübt, der sich bei aller zunehmenden Abgrenzung doch sichtbar bis in Averroes’ Großen Kommentar erstreckt. Neben einer fortlaufenden, sich aber immer auf die Haupttheoriestücke der Physik konzentrierenden Kommentierung der Bücher I bis VIII (Buch VIII unvollständig), sind uns von Ibn Bāǧǧa zwei umfangreiche weitere Teilkommentare zu Buch VIII sowie knappe aber sehr dichte Notizen zu verschiedenen Stellen der gesamten aristotelischen Schrift überliefert. All diese Texte haben sich in lediglich zwei arabischen Handschriften erhalten, von denen frühere Editionen nur eine benutzen konnten. Nach Abschluss einer Kontrollkollationierung von weiteren Traktaten Ibn Bāǧǧas, die neben den beiden Haupthandschriften in drei zusätzlichen Textzeugen überliefert sind, wurde 2017 mit der Transkription des Physikkommentars begonnen. Die Kontrollkollationierung hat gezeigt, dass mit Textausfällen und verderbten Stellen zu rechnen ist, die beide erhaltenen Handschriften betreffen. (Farah Cherif Zahar)

Historisch-kritische Edition von Ibn Bāǧǧas Kommentar zu De generatione et corruptione

Ibn Bāǧǧas kompendienartiger Kommentarschrift zu De generatione et corruptione, deren Einfluss auf Averroes bereits Heidrun Eichners 2005 erschienene Edition von dessen Mittlerem Kommentar zum selben Aristoteleswerk gezeigt hatte, liegt in denselben beiden Handschriften vor, die auch den Physikkommentar enthalten. Der Text zeichnet sich insbesondere durch intensive Reflektionen über die in und auf einfache Körper wirkenden Potenzen, sowie wissenschaftstheoretische Einschübe aus, behandelt jedoch die Themen von De generatione et corruptione nur unvollständig, sodass die Edition insbesondere auch den logischen Aufbau des Textes und seine Bezüge zur aristotelischen Vorlage zu klären haben wird. Mit der Kollationierung der Textzeugen wurde begonnen. (Corrado la Martire)

Ibn Bāǧǧa, Die Lebensführung des Einsamen

Im Rahmen der 3. Serie von Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters entsteht eine deutsche Übersetzung von Ibn Bāǧǧas ethisch-politischem Traktat Tadbīr al-mutawaḥḥid, „Die Lebensführung des Einsamen“. Der Text analysiert die Lage des Philosophen in der Gesellschaft und behandelt die Bedingungen und Möglichkeiten intellektueller Vollendung im Kontext einer durch andere Lebensziele geprägten Umwelt. Der Band wird einen zweisprachigen arabischen und deutschen Text und eine historische und philosophische Einleitung enthalten. Auf Grund einer neu zugänglich gewordenen Handschrift wird gegenwärtig der arabische Editionstext überarbeitet. (David Wirmer)