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Theorien des Ursprungs der Formen: Das Konzept der Konjunktion in der hebräischen Philosophie und seine arabischen und lateinischen Quellen

Was macht etwas zu dem, was es ist? Wie wird eine Sache zu einer bestimmten und als solche erkennbaren? Stellt man sich die Frage nach der Konstitution, Identität und Erkennbarkeit von Dingen in so allgemeiner Form, fragt man also nach allgemeinen Prinzipien der Gegenstandskonstituierung, dann bietet sich das Aristotelische Paradigma der „Form“ als analytisches Werkzeug ersten Ranges an. Die lange Tradition des Aristotelismus, die arabische Philosophie, lateinisches Mittelalter und schließlich die hebräische Philosophie untereinander, mit der Antike, aber auch mit der Neuzeit verbindet, stellt hierbei ein Reservoir systematisch fruchtbarer Modelle dar. Über Jahrhunderte bildete die Frage nach der „Konjunktion“, das heißt der Verbindung des menschlichen mit einem transzendenten Intellekt, ein Standardelement auf der Grenze von Naturphilosophie und Metaphysik, an dem sich die Ausdeutung des Formbegriffs kristallisierte. Denn die Konjunktion als Vollendung des Intellekts ist hier gleichzeitig die höchste Form des Menschen und damit der Endpunkt eines die gesamte Natur umfassenden Entwicklungsvorgangs und der Abschluss des Erkenntnisprozesses, welcher als sukzessive Abstraktion von Formen begriffen wird. Im Spiegel der Intellekttheorie lässt sich das prinzipientheoretisch bedeutsame Konzept der Form mithin in gebündelter Weise so beleuchten, dass die in der Forschung bisher unterbelichtete naturphilosophische Frage stärker hervortritt, wie denn die Form selbst als Produkt eines natürlichen und erkenntnisbezogenen Prozesses konstituiert wird. Das Projekt konzentriert sich darauf, ausgehend von einer vertieften Untersuchung der klassischen arabischen Konjunktionsmodelle mit den ihnen jeweils vorausgehenden Erkenntnisschritten sowie ihrer Rezeption in der hebräischen Philosophie, systematische Grundoptionen der Formtheorie herauszuarbeiten.

(David Wirmer)