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Thomas von Aquin

Als exemplarische Gestalt für die intellektuelle Weite und Offenheit der mittelalterlichen Gelehrsamkeit verstand der Gründer des Thomas-Instituts, Joseph Koch, Thomas von Aquin und begründete damit die Namenswahl. Dabei stand Thomas von Aquin, wie die historisch-kritische Thomasforschung zeigt, in vielerlei Hinsicht gegen den „mainstream“ seiner Zeit. Zu diesem Bild gehört die Offenheit für neue Einflüsse, die auch zu veränderten Antworten führten, die Vorliebe, Fragen intellektuell zuzuspitzen, und die Tatsache, dass Thomas bereits kurz nach seinem Tod im Zentrum zum Teil heftiger Kontroversen stand – außerhalb und innerhalb seines Ordens, in Paris und Köln. Unsere Projekte zu Meister Eckhart, Durandus von St. Pourçain, zum anonymen Brügger Sentenzenkommenar und zur Lectura Thomasina machen dies deutlich. Somit ist Thomas eine wichtige Referenzfigur für zahlreiche Forschungsprojekte am Thomas-Institut bis hin zur Thomasrezeption in der modernen Philosophie. So konnte ein zehnjähriges Forschungsprojekt zu den Thomas-Übersetzungen und zur Thomas-Rezeption Edith Steins abgeschlossen werden, dass u.a. vier Editionsbände der Edith Stein Gesamtausgabe (ESGA) umfasst (ediert von A. Speer und F. V. Tommasi). Doch auch seine Philosophie selbst ist immer wieder Gegenstand von Forschungsprojekten.

Aktuelle Forschungsprojekte: 

Thomas von Aquin, In librum Beati Dionysii De divinis nominibus expositio, Buch IV, Lectiones 1-10

Die Begegnung von lateinischem und byzantinischem Mittelalter kann exemplarisch im Dionysius-Kommentar des Thomas von Aquin studiert werden. Von besonderem Interesse innerhalb seines Kommentars zu De divinis nominibus sind die ersten zehn „Lectiones“ des Thomas zum vierten Kapitel seiner Vorlage, in denen zentrale Themen des Neuplatonismus behandelt werden: das Gute, das Licht, die Schönheit und die Liebe. In Arbeit ist eine Übersetzung und Kommentierung auf der Grundlage des kritisch überprüften lateinischen Textes. (Andreas Speer)

Thomas von Aquin, Quaestio disputata „De libero arbitrio“ (De malo VI)

Auf der Basis der kritischen Gesamtausgabe der Editio Leonina wird derzeit eine deutsche Übersetzung dieses Schlüsseltextes zum Verständnis der thomanischen Lehre vom freien Willensentscheid als Grundlage für das eigentlich menschliche und d.h. selbstverantwortliche freie Handeln des Menschen angefertigt, die mit einem Kommentar und einer ausführlichen Einleitung bei Reclam erscheinen soll. Begleitet wird die Übersetzungsarbeit durch Untersuchungen zu den in der Quaestio aufgeworfenen zentralen systematischen Fragen der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. (Andreas Speer)